| Geboren | 1884 (Leipzig) |
| Gestorben | 1950 (New York City) |
| Nationalität | Deutschland |
| Epochen | Expressionismus, Neue Sachlichkeit |
| Genre | Porträt, Stillleben, Akt, Tiermalerei, Personenmalerei, Historienmalerei, Interieur, Landschaft, Mythologische Malerei, Selbstbildnis, Religiöse Kunst |
| Beruf | Maler, Bildhauer, Architekturzeichner, Grafiker, Schriftsteller, Hochschullehrer, Illustrator |
| Familie | Ehepartner/in: Minna Beckmann-Tube |
| Schüler | Karl Tratt |
| Mitgliedschaften | Bayerische Akademie der Schönen Künste, Berliner Secession, Accademia delle Arti del Disegno |
| Bekannte Werke | Die Nacht (1918), Quappi in rosa Jumper (1934), Selbstbildnis im Smoking (1927), Selbstbildnis mit rotem Schal (1917), Junge Maenner am Meer (1905) |
| Museen | Saint Louis Art Museum, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Staedel Museum, Staatliche Museen zu Berlin, Bayerische Staatsgemaeldesammlungen (Pinakothek) |
Schwere blaugraue Wolken lasten, doch die Malerei bleibt klar und fest. Druck und Weite, Unruhe und scharf gesetzte Form stehen in Meeresstrand ohne Ausgleich nebeneinander. Max Beckmann, dessen Lebensspanne die Jahre 1884 bis 1950 umfasste, arbeitete als deutscher Maler und Grafiker genau an dieser Reibung. Seine Konturen waren bestimmt, die Farbflächen oft kühl und kantig; dennoch blieben Gesichter und Körper verletzlich. Er glättete nichts. Das Helle behauptete sich, aber es vertrieb die Bedrohung nicht. Diese Spannung erklärt, weshalb seine Bilder nicht bloß dekorativ wirken: Sie verlangen Aufmerksamkeit, ohne laut um sie zu bitten.
Im Ersten Weltkrieg meldete sich Beckmann freiwillig als Sanitätshelfer. Er diente zunächst an der Ostfront, später in Flandern. 1915 brach er körperlich und seelisch zusammen und wurde vom Kriegsdienst freigestellt. Das war keine kunsthistorische Fußnote, sondern eine Zäsur, nach der Härte und Bedrängnis in seinem Werk ein anderes Gewicht erhielten. Schon vor dem Krieg hatte er gegen Franz Marc geschrieben: "Die Gesetze der Kunst sind ewig und unveränderlich, wie das moralische Gesetz in uns." Der Satz klingt streng, fast trotzig. Das Etikett Expressionismus lehnte Beckmann ab. Statt sich einer Gruppe zu fügen, suchte er eine Bildsprache, in der feste Form und verstörte Erfahrung zugleich bestehen konnten.
Später leitete er ein Meisteratelier an der Städelschule in Frankfurt. In dieser Zeit heiratete er Mathilde Kaulbach, Tochter des Malers Friedrich August von Kaulbach, die er Quappi nannte. Der Kosename wanderte in seine Werktitel und machte Privatheit sichtbar. In Quappi im rosa Pullover ruht ihre Hand an der Wange; die Geste wirkt nah, ohne sentimental zu werden. Im April 1933 entließen ihn die Nationalsozialisten aus der Städelschule. Vier Jahre später wurden mehr als 650 seiner Arbeiten als "entartet" aus deutschen Museen beschlagnahmt, 21 hingen in der Münchner Schau "Entartete Kunst". Am Tag nach Hitlers Eröffnungsrede zur Münchner Kunstausstellung verließ Beckmann Deutschland in Richtung Amsterdam. Er kehrte nicht zurück.
Zehn Jahre lebte er in Amsterdam. Exil bedeutete hier keinen stillen Rückzug: Beckmann arbeitete weiter und beobachtete sich selbst mit derselben Strenge, die er anderen Figuren zumutete. Seine Selbstporträts bildeten seit der Jugend eine fortlaufende Chronik, vom jungen Mann bis zum Emigranten; das Selbstbildnis im Smoking gehörte in diese lebenslange Prüfung der eigenen Erscheinung. Danach führten ihn Lehraufgaben in die USA, an die Washington University in St. Louis, nach Boulder und Carmel und schließlich nach New York. Junge Männer am Meer zeigt mehrere nackte Körper in unterschiedlichen Haltungen. Ihre Präsenz spannt jene Mischung aus Kraft und Gefährdung zusammen, die Beckmann immer wieder beschäftigte. Auch Bildtitel wie Quappi in Blau im Boot oder das mythologische Odysseus und Kalypso verbinden konkrete Figuren mit offener See und älterer Erzählung.
Zuletzt lehrte Beckmann am Brooklyn Museum. Am 27. Dezember vollendete er sein neuntes Triptychon. Wenige Stunden später erlitt er auf offener Straße am Central Park West einen Herzinfarkt und starb. Der Tod kam mitten in die Arbeit, doch daraus muss keine Legende werden: Bis zu diesem Tag malte er, prüfte Formen und setzte Farben. Schon der Titel Der Eiserne Steg führt festen Bau und bewegten Stadtraum zusammen - eine Verbindung, die zu ihm passte. Seine Bilder halten den Blick durch dunkle Linien, kompakte Flächen und genau gesetzte Farbkontraste fest. Dahinter liegen weder gefällige Ruhe noch bloße Düsternis. Beckmann ließ beides gelten: die offene Küste und die schwere Wolke, den sicheren Umriss und den gefährdeten Menschen.
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| Geboren | 1884 (Leipzig) |
| Gestorben | 1950 (New York City) |
| Nationalität | Deutschland |
| Epochen | Expressionismus, Neue Sachlichkeit |
| Genre | Porträt, Stillleben, Akt, Tiermalerei, Personenmalerei, Historienmalerei, Interieur, Landschaft, Mythologische Malerei, Selbstbildnis, Religiöse Kunst |
| Beruf | Maler, Bildhauer, Architekturzeichner, Grafiker, Schriftsteller, Hochschullehrer, Illustrator |
| Familie | Ehepartner/in: Minna Beckmann-Tube |
| Schüler | Karl Tratt |
| Mitgliedschaften | Bayerische Akademie der Schönen Künste, Berliner Secession, Accademia delle Arti del Disegno |
| Bekannte Werke | Die Nacht (1918), Quappi in rosa Jumper (1934), Selbstbildnis im Smoking (1927), Selbstbildnis mit rotem Schal (1917), Junge Maenner am Meer (1905) |
| Museen | Saint Louis Art Museum, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Staedel Museum, Staatliche Museen zu Berlin, Bayerische Staatsgemaeldesammlungen (Pinakothek) |
Schwere blaugraue Wolken lasten, doch die Malerei bleibt klar und fest. Druck und Weite, Unruhe und scharf gesetzte Form stehen in Meeresstrand ohne Ausgleich nebeneinander. Max Beckmann, dessen Lebensspanne die Jahre 1884 bis 1950 umfasste, arbeitete als deutscher Maler und Grafiker genau an dieser Reibung. Seine Konturen waren bestimmt, die Farbflächen oft kühl und kantig; dennoch blieben Gesichter und Körper verletzlich. Er glättete nichts. Das Helle behauptete sich, aber es vertrieb die Bedrohung nicht. Diese Spannung erklärt, weshalb seine Bilder nicht bloß dekorativ wirken: Sie verlangen Aufmerksamkeit, ohne laut um sie zu bitten.
Im Ersten Weltkrieg meldete sich Beckmann freiwillig als Sanitätshelfer. Er diente zunächst an der Ostfront, später in Flandern. 1915 brach er körperlich und seelisch zusammen und wurde vom Kriegsdienst freigestellt. Das war keine kunsthistorische Fußnote, sondern eine Zäsur, nach der Härte und Bedrängnis in seinem Werk ein anderes Gewicht erhielten. Schon vor dem Krieg hatte er gegen Franz Marc geschrieben: "Die Gesetze der Kunst sind ewig und unveränderlich, wie das moralische Gesetz in uns." Der Satz klingt streng, fast trotzig. Das Etikett Expressionismus lehnte Beckmann ab. Statt sich einer Gruppe zu fügen, suchte er eine Bildsprache, in der feste Form und verstörte Erfahrung zugleich bestehen konnten.
Später leitete er ein Meisteratelier an der Städelschule in Frankfurt. In dieser Zeit heiratete er Mathilde Kaulbach, Tochter des Malers Friedrich August von Kaulbach, die er Quappi nannte. Der Kosename wanderte in seine Werktitel und machte Privatheit sichtbar. In Quappi im rosa Pullover ruht ihre Hand an der Wange; die Geste wirkt nah, ohne sentimental zu werden. Im April 1933 entließen ihn die Nationalsozialisten aus der Städelschule. Vier Jahre später wurden mehr als 650 seiner Arbeiten als "entartet" aus deutschen Museen beschlagnahmt, 21 hingen in der Münchner Schau "Entartete Kunst". Am Tag nach Hitlers Eröffnungsrede zur Münchner Kunstausstellung verließ Beckmann Deutschland in Richtung Amsterdam. Er kehrte nicht zurück.
Zehn Jahre lebte er in Amsterdam. Exil bedeutete hier keinen stillen Rückzug: Beckmann arbeitete weiter und beobachtete sich selbst mit derselben Strenge, die er anderen Figuren zumutete. Seine Selbstporträts bildeten seit der Jugend eine fortlaufende Chronik, vom jungen Mann bis zum Emigranten; das Selbstbildnis im Smoking gehörte in diese lebenslange Prüfung der eigenen Erscheinung. Danach führten ihn Lehraufgaben in die USA, an die Washington University in St. Louis, nach Boulder und Carmel und schließlich nach New York. Junge Männer am Meer zeigt mehrere nackte Körper in unterschiedlichen Haltungen. Ihre Präsenz spannt jene Mischung aus Kraft und Gefährdung zusammen, die Beckmann immer wieder beschäftigte. Auch Bildtitel wie Quappi in Blau im Boot oder das mythologische Odysseus und Kalypso verbinden konkrete Figuren mit offener See und älterer Erzählung.
Zuletzt lehrte Beckmann am Brooklyn Museum. Am 27. Dezember vollendete er sein neuntes Triptychon. Wenige Stunden später erlitt er auf offener Straße am Central Park West einen Herzinfarkt und starb. Der Tod kam mitten in die Arbeit, doch daraus muss keine Legende werden: Bis zu diesem Tag malte er, prüfte Formen und setzte Farben. Schon der Titel Der Eiserne Steg führt festen Bau und bewegten Stadtraum zusammen - eine Verbindung, die zu ihm passte. Seine Bilder halten den Blick durch dunkle Linien, kompakte Flächen und genau gesetzte Farbkontraste fest. Dahinter liegen weder gefällige Ruhe noch bloße Düsternis. Beckmann ließ beides gelten: die offene Küste und die schwere Wolke, den sicheren Umriss und den gefährdeten Menschen.