| Geboren | 1500 (Nürnberg) |
| Gestorben | 1550 (Frankfurt am Main) |
| Nationalität | Deutschland |
| Epochen | Illustration, Deutsche Renaissance |
| Beruf | Maler, Illustrator, Grafiker, Exlibriskünstler, Zeichner |
| Familie | Ehepartner/in: Anna Beham Geschwister: Barthel Beham |
| Bekannte Werke | Scenes from the Life of David (1534), Patience by Hans Sebaldus Beham - Sebald Beham (1540), Korsfästelsen, Korsbärandet, Konungarnas tillbedjan |
| Museen | Art Institute of Chicago, Cleveland Museum of Art, Los Angeles County Museum of Art (LACMA), Staatliche Museen zu Berlin, Statens Museum for Kunst |
Im Januar 1525 ließ der Rat der Reichsstadt Nürnberg drei junge Maler aus dem Umkreis Albrecht Dürers verhaften. Es waren Georg Pencz, Barthel Beham und dessen Bruder Sebald Beham, ein Kupferstecher, geboren 1500 in Nürnberg. Die ältere Literatur nennt ihn Hans Sebald Beham, obwohl kein Dokument den Vornamen Hans belegt - schon der Name dieses Angeklagten ist eine offene Frage. Zur Last gelegt wurden den dreien Gotteslästerung, Sektierertum und die Leugnung weltlicher Obrigkeit; nach der Darstellung späterer Quellen erklärten sie sinngemäß, sie glaubten an Gott, hielten aber nichts von Christus, Taufe und Sakrament und erkannten keine Obrigkeit an außer Gott. Das Urteil vom 26. Januar 1525 lautete auf Verbannung, auf Folter verzichtete der Rat, und schon im November durften alle drei zurück in die Stadt. Geblieben ist der Aktenname: die drei gottlosen Maler.
Drei Jahre später stand Beham wieder gegen den Rat. Wenige Monate nach Dürers Tod brachte er 1528 ein Büchlein über die Proportionen des Pferdes heraus; der Vorwurf lautete, er habe aus Dürers unveröffentlichtem Proportionsmaterial geschöpft, und Dürers Witwe stand hinter der Beschwerde. Im Juli 1528 untersagte der Rat den Vertrieb, bis Dürers eigenes, noch unveröffentlichtes Proportionswerk erschienen sei. Beham wich nach Ingolstadt aus, kehrte im Februar 1529 nach Nürnberg zurück - und verwertete den beanstandeten Stoff 1546 seelenruhig ein zweites Mal, in einem eigenen Lehrbüchlein.
Wer war dieser Mann? Ein deutscher Kupferstecher, Radierer und Holzschnittzeichner, geschult, nach allem, was die frühen Blätter verraten, im Umkreis Dürers; ein Lehrvertrag ist nicht überliefert. Mit seinem Bruder Barthel und Georg Pencz zählt ihn die Kunstgeschichte zu den Kleinmeistern, benannt nach dem winzigen Format ihrer Kupferstiche. Als Sebald Beham 1550 in Frankfurt am Main starb, hinterließ er ungefähr 270 Stiche und weit über 1000 Holzschnitte; signiert hatte er sie mit dem Monogramm wie mit einer Warenmarke, zuerst HSP, nach der fränkischen Aussprache Peham, später HSB; wofür das H stand, erklären die Quellen unterschiedlich - auch das Monogramm hält den Vornamen offen.
Wie klein diese Kunst wirklich ist, zeigt die Apostelfolge aus der Mitte der 1540er Jahre, deren Platten ungefähr 4,8 mal 3,2 Zentimeter messen. Auf „Heiliger Matthias, 1541-46“, der Nummer zwölf der Folge, steht ein bärtiger Apostel im Strahlenkranz vor einem Bretterzaun, das geschlossene Buch unter den Arm geklemmt, die Rechte auf ein langstieliges Beil gestützt, barfuß, mit Beuteln am Gürtel - und jeder Strich sitzt. Auf „Fortuna“ von 1541 schreitet die geflügelte Glücksgöttin mit einem Ährenbündel voran, neben ihrem Fuß ruht die große Kugel, in der Linken hält sie das Glücksrad, und oben auf dem Rad hockt ein winziger Mann, der sie mit ausgestrecktem Arm anfleht, es anzuhalten. Hinter ihr ziehen ein Segelschiff und eine Uferstadt vorbei. Das ganze Welttheater misst 79 mal 51 Millimeter.
Auch die Wiedergabe solcher Blätter ist ein Verfahren, und es kennt nur einen strittigen Punkt - ob die Linie Linie bleibt. Der rasterlose Druck, in dem Meisterdrucke die Stiche wiedergibt, legt weder Linienraster noch sichtbare Druckpunkte über die Zeichnung, und ein feines, naturweißes Papier trägt den feinen Strich; so bleibt jede Schraffur des Grabstichels eine Linie und kippt auch in den dichtesten Kreuzlagen nicht ins Grau. Die Prüfung gilt damit am Ende nicht dem Druck, sondern dem Stecher - und Behams 79 mal 51 Millimeter halten ihr stand.
Ein zweites Feld hat Beham nach heutigem Forschungsstand überhaupt erst eröffnet, das Bauernfest als eigenes Bildthema. Ab 1528 schnitt er in Nürnberg großformatige Kirchweih-Holzschnitte, darunter die Mögeldorfer Kirchweih; in Frankfurt folgten winzige Stichserien. Auf „Die Bauernschlägerei“ von 1540 gehen Bauern mit Schwertern und Fäusten aufeinander los, mitten im Getümmel kniet eine Frau mit hochgerissenen Armen, einer liegt schon am Boden, und über den Köpfen flattert ein Spruchband mit dem Reim Haust du mich, so stich ich dich. Dasselbe Spruchband weht über „Die Bauernhochzeit oder die zwölf Monate: Nr. 9, 1547“, einem Blatt aus der Frankfurter Folge von 1546/47, die die zwölf Monate auf zehn kleine Stiche verteilt und ihre feiernden, raufenden Bauern mit Monatsnamen beschriftet; hier prügelt man sich am Weinspalier, zwischen den Kämpfern liegen Hut und Heugabel. Ob solche Szenen Spott von oben sind oder das Fest aus eigener Anschauung feiern, darüber ist die Forschung uneins - man kann beides darin sehen. Ein Menschenalter, bevor der niederländische Maler Pieter Bruegel das Bauernfest zur Weltkunst machte, hatte Beham ihm die Form gegeben.
Beham, der Verbannte von 1525, wurde am Ende Bürger einer anderen Stadt. 1531 trat Beham in die Dienste Kardinal Albrechts von Brandenburg, für den er Gebetbuch-Miniaturen malte und eine Tischplatte mit Szenen aus dem Leben König Davids, die später in den Louvre gelangte. Seit 1532 lebte er in Frankfurt am Main, illustrierte für den Verleger Christian Egenolff die Biblischen Historien von 1533, gab 1535 das Nürnberger Bürgerrecht auf und leistete 1540 den Frankfurter Bürgereid. Als Barthel 1540 auf einer Italienreise starb, übernahm Sebald dessen Kupferplatten und druckte die Motive seines Bruders weiter. Verkauft hat er selbst, auf der Frankfurter Buchmesse, und 1547 wohnte er gleich neben dem Messegelände; die großen Wandblätter gingen an ein breites Publikum, die kleinen Serien an Sammler, die sie in Bücher klebten. Der Markt, von dem er lebte, lag damit direkt vor seiner Tür.
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| Geboren | 1500 (Nürnberg) |
| Gestorben | 1550 (Frankfurt am Main) |
| Nationalität | Deutschland |
| Epochen | Illustration, Deutsche Renaissance |
| Beruf | Maler, Illustrator, Grafiker, Exlibriskünstler, Zeichner |
| Familie | Ehepartner/in: Anna Beham Geschwister: Barthel Beham |
| Bekannte Werke | Scenes from the Life of David (1534), Patience by Hans Sebaldus Beham - Sebald Beham (1540), Korsfästelsen, Korsbärandet, Konungarnas tillbedjan |
| Museen | Art Institute of Chicago, Cleveland Museum of Art, Los Angeles County Museum of Art (LACMA), Staatliche Museen zu Berlin, Statens Museum for Kunst |
Im Januar 1525 ließ der Rat der Reichsstadt Nürnberg drei junge Maler aus dem Umkreis Albrecht Dürers verhaften. Es waren Georg Pencz, Barthel Beham und dessen Bruder Sebald Beham, ein Kupferstecher, geboren 1500 in Nürnberg. Die ältere Literatur nennt ihn Hans Sebald Beham, obwohl kein Dokument den Vornamen Hans belegt - schon der Name dieses Angeklagten ist eine offene Frage. Zur Last gelegt wurden den dreien Gotteslästerung, Sektierertum und die Leugnung weltlicher Obrigkeit; nach der Darstellung späterer Quellen erklärten sie sinngemäß, sie glaubten an Gott, hielten aber nichts von Christus, Taufe und Sakrament und erkannten keine Obrigkeit an außer Gott. Das Urteil vom 26. Januar 1525 lautete auf Verbannung, auf Folter verzichtete der Rat, und schon im November durften alle drei zurück in die Stadt. Geblieben ist der Aktenname: die drei gottlosen Maler.
Drei Jahre später stand Beham wieder gegen den Rat. Wenige Monate nach Dürers Tod brachte er 1528 ein Büchlein über die Proportionen des Pferdes heraus; der Vorwurf lautete, er habe aus Dürers unveröffentlichtem Proportionsmaterial geschöpft, und Dürers Witwe stand hinter der Beschwerde. Im Juli 1528 untersagte der Rat den Vertrieb, bis Dürers eigenes, noch unveröffentlichtes Proportionswerk erschienen sei. Beham wich nach Ingolstadt aus, kehrte im Februar 1529 nach Nürnberg zurück - und verwertete den beanstandeten Stoff 1546 seelenruhig ein zweites Mal, in einem eigenen Lehrbüchlein.
Wer war dieser Mann? Ein deutscher Kupferstecher, Radierer und Holzschnittzeichner, geschult, nach allem, was die frühen Blätter verraten, im Umkreis Dürers; ein Lehrvertrag ist nicht überliefert. Mit seinem Bruder Barthel und Georg Pencz zählt ihn die Kunstgeschichte zu den Kleinmeistern, benannt nach dem winzigen Format ihrer Kupferstiche. Als Sebald Beham 1550 in Frankfurt am Main starb, hinterließ er ungefähr 270 Stiche und weit über 1000 Holzschnitte; signiert hatte er sie mit dem Monogramm wie mit einer Warenmarke, zuerst HSP, nach der fränkischen Aussprache Peham, später HSB; wofür das H stand, erklären die Quellen unterschiedlich - auch das Monogramm hält den Vornamen offen.
Wie klein diese Kunst wirklich ist, zeigt die Apostelfolge aus der Mitte der 1540er Jahre, deren Platten ungefähr 4,8 mal 3,2 Zentimeter messen. Auf „Heiliger Matthias, 1541-46“, der Nummer zwölf der Folge, steht ein bärtiger Apostel im Strahlenkranz vor einem Bretterzaun, das geschlossene Buch unter den Arm geklemmt, die Rechte auf ein langstieliges Beil gestützt, barfuß, mit Beuteln am Gürtel - und jeder Strich sitzt. Auf „Fortuna“ von 1541 schreitet die geflügelte Glücksgöttin mit einem Ährenbündel voran, neben ihrem Fuß ruht die große Kugel, in der Linken hält sie das Glücksrad, und oben auf dem Rad hockt ein winziger Mann, der sie mit ausgestrecktem Arm anfleht, es anzuhalten. Hinter ihr ziehen ein Segelschiff und eine Uferstadt vorbei. Das ganze Welttheater misst 79 mal 51 Millimeter.
Auch die Wiedergabe solcher Blätter ist ein Verfahren, und es kennt nur einen strittigen Punkt - ob die Linie Linie bleibt. Der rasterlose Druck, in dem Meisterdrucke die Stiche wiedergibt, legt weder Linienraster noch sichtbare Druckpunkte über die Zeichnung, und ein feines, naturweißes Papier trägt den feinen Strich; so bleibt jede Schraffur des Grabstichels eine Linie und kippt auch in den dichtesten Kreuzlagen nicht ins Grau. Die Prüfung gilt damit am Ende nicht dem Druck, sondern dem Stecher - und Behams 79 mal 51 Millimeter halten ihr stand.
Ein zweites Feld hat Beham nach heutigem Forschungsstand überhaupt erst eröffnet, das Bauernfest als eigenes Bildthema. Ab 1528 schnitt er in Nürnberg großformatige Kirchweih-Holzschnitte, darunter die Mögeldorfer Kirchweih; in Frankfurt folgten winzige Stichserien. Auf „Die Bauernschlägerei“ von 1540 gehen Bauern mit Schwertern und Fäusten aufeinander los, mitten im Getümmel kniet eine Frau mit hochgerissenen Armen, einer liegt schon am Boden, und über den Köpfen flattert ein Spruchband mit dem Reim Haust du mich, so stich ich dich. Dasselbe Spruchband weht über „Die Bauernhochzeit oder die zwölf Monate: Nr. 9, 1547“, einem Blatt aus der Frankfurter Folge von 1546/47, die die zwölf Monate auf zehn kleine Stiche verteilt und ihre feiernden, raufenden Bauern mit Monatsnamen beschriftet; hier prügelt man sich am Weinspalier, zwischen den Kämpfern liegen Hut und Heugabel. Ob solche Szenen Spott von oben sind oder das Fest aus eigener Anschauung feiern, darüber ist die Forschung uneins - man kann beides darin sehen. Ein Menschenalter, bevor der niederländische Maler Pieter Bruegel das Bauernfest zur Weltkunst machte, hatte Beham ihm die Form gegeben.
Beham, der Verbannte von 1525, wurde am Ende Bürger einer anderen Stadt. 1531 trat Beham in die Dienste Kardinal Albrechts von Brandenburg, für den er Gebetbuch-Miniaturen malte und eine Tischplatte mit Szenen aus dem Leben König Davids, die später in den Louvre gelangte. Seit 1532 lebte er in Frankfurt am Main, illustrierte für den Verleger Christian Egenolff die Biblischen Historien von 1533, gab 1535 das Nürnberger Bürgerrecht auf und leistete 1540 den Frankfurter Bürgereid. Als Barthel 1540 auf einer Italienreise starb, übernahm Sebald dessen Kupferplatten und druckte die Motive seines Bruders weiter. Verkauft hat er selbst, auf der Frankfurter Buchmesse, und 1547 wohnte er gleich neben dem Messegelände; die großen Wandblätter gingen an ein breites Publikum, die kleinen Serien an Sammler, die sie in Bücher klebten. Der Markt, von dem er lebte, lag damit direkt vor seiner Tür.