| Geboren | 26. März 1794 (Leipzig) |
| Gestorben | 24. Mai 1872 (Dresden) im Alter von 78 Jahren |
| Nationalität | Deutschland |
| Epochen | Romantik |
| Beruf | Maler, Illustrator, Hochschullehrer, Zeichner, Grafiker |
| Familie | Vater: Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld Mutter: Christina Juliana Hempel Ehepartner/in: Marie Schnorr von Carolsfeld Geschwister: Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld, Henriette Schnorr von Carolsfeld, Charlotte Krug |
| Lehrer | Heinrich Friedrich Füger |
| Schüler | Gustav Jäger, Hermann Wislicenus, Eduard Ille, Carl Theodor von Piloty, Theodor Rocholl, Michael Echter, Andreas Müller, Alexander Otto Stichart, Friedrich Geselschap, August Vischer, Jakob Emanuel Gaisser, Carl Johann Lasch, Carl Koch |
| Mitgliedschaften | Académie des beaux-arts |
| Bekannte Werke | Maria mit dem Kind (1820), Ruth im Feld des Boaz (1828), Agramant, König der Sarazenen, bestürmt Paris (1825), Kaiser Karl mit dem Heer der Franken in Paris (1826), Angelika schneidet ihren und Medoros Namen in einen Lorbeerbaum - Rolands Schwermut und Raserei (1825) |
| Museen | Staatliche Museen zu Berlin, Art Institute of Chicago, Staedel Museum, Staedtische Galerie im Lenbachhaus, National Gallery of Art |
Zwei Bilder desselben Mannes könnten in Format und Bestimmung kaum weiter auseinanderliegen. Das eine ist ein Wandbild in der Münchner Residenz, „Hagen tötet Siegfried am Brunnen, Halle der Nibelungen“: Unter alten Eichen kniet Siegfried an der Quelle, das goldene Trinkhorn noch an den Lippen, während Hagen hinter seinem Rücken mit dem Speer ausholt und die Jäger im Hintergrund entsetzt die Arme heben. Das andere ist ein Holzschnitt im Format einer Buchseite, die „Vertreibung des Heliodor“: Zwischen Tempelsäulen fällt ein Lichtkeil auf einen geharnischten Reiter, dessen Pferd den Tempelräuber Heliodor niederzwingt; Truhen kippen, Münzen liegen verstreut am Boden. Wandbild und Buchtafel stammen von derselben Hand - der des deutschen Malers, Zeichners und Illustrators Julius Schnorr von Carolsfeld. Zwischen diesen beiden Formaten verlief sein Arbeitsleben.
Geboren wurde er am 26. März 1794 in Leipzig; den ersten Unterricht gab ihm der Vater, ein Maler und Kupferstecher. Ab 1811 studierte er an der Wiener Akademie. Im März 1817 trat er dem Lukasbund bei, dem Kern jener Künstlergruppe, die man bald die Nazarener nannte; im Januar 1818 traf er in Rom ein und fand Anschluss an deren Kreis um Overbeck und Cornelius. Im Casino Massimo, dem Haus eines römischen Marchese, erhielt der junge Leipziger einen eigenen Saal und freskierte dort den Ariost-Saal mit Szenen aus Ariosts Ritterepos vom Rasenden Roland. 1827 vollendet, begründete dieser Saal den Ruf der Nazarener als Freskomaler mit. In Rom entstand daneben ein Bild ganz anderer Art, das „Porträt von Clara Bianca von Quandt, 1820“: Die Frau des Leipziger Sammlers Johann Gottlob von Quandt, mit ihrem Mann neun Monate auf Hochzeitsreise in Italien, sitzt lautespielend im Renaissancekostüm in einer Bogenhalle, hinter ihr ein Orangenbäumchen und blaues Bergland. Der Auftraggeber wünschte ausdrücklich die Anlehnung an das Bildnis der Johanna von Aragon im Louvre, das man damals für ein Werk Raffaels hielt; das Bild blieb unvollendet und hängt heute in der Alten Nationalgalerie in Berlin.
1825 berief ihn König Ludwig I. als Professor der Historienmalerei nach München, 1827 traf er dort ein; im selben Jahr heiratete er in Wien Maria Heller, eine Stieftochter Ferdinand Oliviers. In München wartete die Aufgabe seines Lebens: fünf Säle des Königsbaus der Residenz nach dem mittelalterlichen Nibelungenlied, benannt nach den Stationen des Epos - vom Saal der Helden bis zum Saal der Klage. Die Kartons, die großformatigen Entwurfszeichnungen, entstanden ab 1828; zwischenzeitlich zog ihn der König für einen zweiten Trakt der Residenz ab, für die Kaisersäle des Festsaalbaus mit Bildern zu Karl dem Großen, Barbarossa und Rudolf von Habsburg. Diese Räume verbrannten 1944. Erst 1843 kehrte er zu den Nibelungen zurück, deren Ausführung sich mit Gehilfen noch über Jahrzehnte hinzog.
Wer eine dieser Wandszenen ins Wohnformat holt, übernimmt eine Eigenschaft des Kalks gleich mit: Er ist matt und warm und schluckt jeden Glanz. Unsere Werkstatt gibt die Nibelungen-Bilder deshalb auf einer matten, grob strukturierten Leinwand wieder, deren natürliches Weiß dem Putz einer Saalwand am nächsten kommt; so behält die Szene am Brunnen auch über einem Schreibtisch den Charakter eines Wandbildes.
1846 nahm er die Berufung nach Dresden an - Professur an der Akademie und ab 1846/47 die Direktion der Gemäldegalerie, die er 1855 in den Neubau des Architekten Gottfried Semper überführte. Damit stand ein Nazarener an der Spitze einer der berühmtesten Sammlungen Europas. In Dresden vollendete er zugleich die Bibel in Bildern, 240 von ihm erfundene und auf Holz gezeichnete Darstellungen, die zwischen 1852 und 1860 in dreißig Lieferungen beim Leipziger Verleger Georg Wigand erschienen; die Idee dazu reichte bis in seine römischen Jahre zurück. Im Vorwort erklärte Schnorr, das Werk solle für das einfache Volk erschwinglich sein und der Jugend dienen. Schon 1861 folgte eine englische Ausgabe, und die Folge wurde zur erfolgreichsten Bibelillustration ihres Jahrhunderts. Blätter wie „Gott ruht nach der Erschaffung der Welt“ und „Adam und Eva mit dem Apfel“ gehören zu dieser Folge, ebenso die Vertreibung des Heliodor, Tafel 154 der Reihe - eine eigene Komposition zu einem Stoff, den vor ihm Raffael im Vatikan gemalt hatte. Der Mann, der Wände für einen König ausmalte, fand sein größtes Publikum im kleinsten Format.
Die Dresdner Jahre brachten auch einen frühen Tod in der Familie. Sein Sohn Ludwig Schnorr von Carolsfeld, ein gefeierter Heldentenor, sang am 10. Juni 1865 in München die Titelpartie in der Uraufführung von Richard Wagners Tristan und Isolde, neben seiner Frau Malvina als Isolde; sechs Wochen nach der Premiere starb er, neunundzwanzig Jahre alt. 1867 waren die Nibelungensäle vollendet, fast vierzig Jahre nach den ersten Kartons; 1868 zeichnete der alte Vater den Sohn noch einmal mit der Feder, im Kostüm des Tristan. Am 24. Mai 1872 starb Julius Schnorr von Carolsfeld in Dresden - da lagen die Tafeln seiner Bibel längst in Stuben und Schulzimmern zwischen Leipzig und London auf den Tischen.
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| Geboren | 26. März 1794 (Leipzig) |
| Gestorben | 24. Mai 1872 (Dresden) im Alter von 78 Jahren |
| Nationalität | Deutschland |
| Epochen | Romantik |
| Beruf | Maler, Illustrator, Hochschullehrer, Zeichner, Grafiker |
| Familie | Vater: Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld Mutter: Christina Juliana Hempel Ehepartner/in: Marie Schnorr von Carolsfeld Geschwister: Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld, Henriette Schnorr von Carolsfeld, Charlotte Krug |
| Lehrer | Heinrich Friedrich Füger |
| Schüler | Gustav Jäger, Hermann Wislicenus, Eduard Ille, Carl Theodor von Piloty, Theodor Rocholl, Michael Echter, Andreas Müller, Alexander Otto Stichart, Friedrich Geselschap, August Vischer, Jakob Emanuel Gaisser, Carl Johann Lasch, Carl Koch |
| Mitgliedschaften | Académie des beaux-arts |
| Bekannte Werke | Maria mit dem Kind (1820), Ruth im Feld des Boaz (1828), Agramant, König der Sarazenen, bestürmt Paris (1825), Kaiser Karl mit dem Heer der Franken in Paris (1826), Angelika schneidet ihren und Medoros Namen in einen Lorbeerbaum - Rolands Schwermut und Raserei (1825) |
| Museen | Staatliche Museen zu Berlin, Art Institute of Chicago, Staedel Museum, Staedtische Galerie im Lenbachhaus, National Gallery of Art |
Zwei Bilder desselben Mannes könnten in Format und Bestimmung kaum weiter auseinanderliegen. Das eine ist ein Wandbild in der Münchner Residenz, „Hagen tötet Siegfried am Brunnen, Halle der Nibelungen“: Unter alten Eichen kniet Siegfried an der Quelle, das goldene Trinkhorn noch an den Lippen, während Hagen hinter seinem Rücken mit dem Speer ausholt und die Jäger im Hintergrund entsetzt die Arme heben. Das andere ist ein Holzschnitt im Format einer Buchseite, die „Vertreibung des Heliodor“: Zwischen Tempelsäulen fällt ein Lichtkeil auf einen geharnischten Reiter, dessen Pferd den Tempelräuber Heliodor niederzwingt; Truhen kippen, Münzen liegen verstreut am Boden. Wandbild und Buchtafel stammen von derselben Hand - der des deutschen Malers, Zeichners und Illustrators Julius Schnorr von Carolsfeld. Zwischen diesen beiden Formaten verlief sein Arbeitsleben.
Geboren wurde er am 26. März 1794 in Leipzig; den ersten Unterricht gab ihm der Vater, ein Maler und Kupferstecher. Ab 1811 studierte er an der Wiener Akademie. Im März 1817 trat er dem Lukasbund bei, dem Kern jener Künstlergruppe, die man bald die Nazarener nannte; im Januar 1818 traf er in Rom ein und fand Anschluss an deren Kreis um Overbeck und Cornelius. Im Casino Massimo, dem Haus eines römischen Marchese, erhielt der junge Leipziger einen eigenen Saal und freskierte dort den Ariost-Saal mit Szenen aus Ariosts Ritterepos vom Rasenden Roland. 1827 vollendet, begründete dieser Saal den Ruf der Nazarener als Freskomaler mit. In Rom entstand daneben ein Bild ganz anderer Art, das „Porträt von Clara Bianca von Quandt, 1820“: Die Frau des Leipziger Sammlers Johann Gottlob von Quandt, mit ihrem Mann neun Monate auf Hochzeitsreise in Italien, sitzt lautespielend im Renaissancekostüm in einer Bogenhalle, hinter ihr ein Orangenbäumchen und blaues Bergland. Der Auftraggeber wünschte ausdrücklich die Anlehnung an das Bildnis der Johanna von Aragon im Louvre, das man damals für ein Werk Raffaels hielt; das Bild blieb unvollendet und hängt heute in der Alten Nationalgalerie in Berlin.
1825 berief ihn König Ludwig I. als Professor der Historienmalerei nach München, 1827 traf er dort ein; im selben Jahr heiratete er in Wien Maria Heller, eine Stieftochter Ferdinand Oliviers. In München wartete die Aufgabe seines Lebens: fünf Säle des Königsbaus der Residenz nach dem mittelalterlichen Nibelungenlied, benannt nach den Stationen des Epos - vom Saal der Helden bis zum Saal der Klage. Die Kartons, die großformatigen Entwurfszeichnungen, entstanden ab 1828; zwischenzeitlich zog ihn der König für einen zweiten Trakt der Residenz ab, für die Kaisersäle des Festsaalbaus mit Bildern zu Karl dem Großen, Barbarossa und Rudolf von Habsburg. Diese Räume verbrannten 1944. Erst 1843 kehrte er zu den Nibelungen zurück, deren Ausführung sich mit Gehilfen noch über Jahrzehnte hinzog.
Wer eine dieser Wandszenen ins Wohnformat holt, übernimmt eine Eigenschaft des Kalks gleich mit: Er ist matt und warm und schluckt jeden Glanz. Unsere Werkstatt gibt die Nibelungen-Bilder deshalb auf einer matten, grob strukturierten Leinwand wieder, deren natürliches Weiß dem Putz einer Saalwand am nächsten kommt; so behält die Szene am Brunnen auch über einem Schreibtisch den Charakter eines Wandbildes.
1846 nahm er die Berufung nach Dresden an - Professur an der Akademie und ab 1846/47 die Direktion der Gemäldegalerie, die er 1855 in den Neubau des Architekten Gottfried Semper überführte. Damit stand ein Nazarener an der Spitze einer der berühmtesten Sammlungen Europas. In Dresden vollendete er zugleich die Bibel in Bildern, 240 von ihm erfundene und auf Holz gezeichnete Darstellungen, die zwischen 1852 und 1860 in dreißig Lieferungen beim Leipziger Verleger Georg Wigand erschienen; die Idee dazu reichte bis in seine römischen Jahre zurück. Im Vorwort erklärte Schnorr, das Werk solle für das einfache Volk erschwinglich sein und der Jugend dienen. Schon 1861 folgte eine englische Ausgabe, und die Folge wurde zur erfolgreichsten Bibelillustration ihres Jahrhunderts. Blätter wie „Gott ruht nach der Erschaffung der Welt“ und „Adam und Eva mit dem Apfel“ gehören zu dieser Folge, ebenso die Vertreibung des Heliodor, Tafel 154 der Reihe - eine eigene Komposition zu einem Stoff, den vor ihm Raffael im Vatikan gemalt hatte. Der Mann, der Wände für einen König ausmalte, fand sein größtes Publikum im kleinsten Format.
Die Dresdner Jahre brachten auch einen frühen Tod in der Familie. Sein Sohn Ludwig Schnorr von Carolsfeld, ein gefeierter Heldentenor, sang am 10. Juni 1865 in München die Titelpartie in der Uraufführung von Richard Wagners Tristan und Isolde, neben seiner Frau Malvina als Isolde; sechs Wochen nach der Premiere starb er, neunundzwanzig Jahre alt. 1867 waren die Nibelungensäle vollendet, fast vierzig Jahre nach den ersten Kartons; 1868 zeichnete der alte Vater den Sohn noch einmal mit der Feder, im Kostüm des Tristan. Am 24. Mai 1872 starb Julius Schnorr von Carolsfeld in Dresden - da lagen die Tafeln seiner Bibel längst in Stuben und Schulzimmern zwischen Leipzig und London auf den Tischen.