Lydia gleich vorweg: ein grüner Zierrahmen mit Goldmaserung, 66 mm breit, 32 mm hoch - bei einer so dunklen Nachtszene keine naheliegende Wahl, und deutlich präsenter als das kleine Motiv selbst. Aber der grüne Grundton spielt gut mit Meer und nächtlichem Himmel zusammen, während die Goldmaserung dem kühlen Mondlicht einen wärmeren Gegenpol entgegensetzt. Gerahmt ist Paul Gauguins "Segelschiff im Mondlicht": eine ruhige Nachtszene, in der das Segelschiff fast nur als Silhouette auf der hellen Bahn des Mondlichts steht - wenig konkrete Handlung, dafür viel Ferne und Stille. Mit 40 x 22 cm bleibt das Bild dabei klein und schmal, was den Rahmen im Verhältnis umso auffälliger macht.
Genau dieser Größenunterschied ist es, der mich an dieser Anfertigung hängen lässt: Ein stilles, knappes Motiv bekommt durch den breiten Lydia-Rahmen plötzlich eine Präsenz, die es allein kaum hätte. Das passt im Grunde auch zu Gauguin selbst, der sich zunehmend von rein naturalistischer Darstellung entfernt und Farbe wie Fläche stärker für Stimmung und Ausdruck einsetzt - hier zählt nicht das Schiff, sondern das Gefühl der Nacht. Der Druck auf der satinierten Leinwand Leonardo trägt die dunklen Tonwerte und die weichen Übergänge zwischen Himmel, Wasser und Licht, ohne dass etwas absäuft; gezogen auf Keilrahmen, seitlich gespiegelt. Und je länger man schaut, desto weiter rückt das zweite Boot im Dunst weg - Weite, Nacht, Ferne, mehr braucht dieses Bild nicht.