Frontal, aus dem Dunkel heraus, schaut ein Fuchskopf den Betrachter an. Ohne Körper, ohne Landschaft, ohne Beute - nur die spitze Schnauze mit der schwarzen Nase, zwei aufgestellte Ohren mit hellem Innenfell und die bernsteinfarbenen Augen, in denen jeweils ein kleiner Lichtpunkt steht. Der Grund ist ein tiefes Rotbraun, das an den Rändern beinahe ins Schwarz kippt und den Kopf wie eine Maske schweben lässt. Das Fell baut sich aus Tausenden kurzen Strichen auf: goldene Spitzen über kupferrotem Grund auf der Stirn, dunklere Züge an den Wangen, ein weißlicher Schimmer unter den Augen. Philip Reinagle, 1749 geboren und 1833 gestorben, gehört zu den britischen Tiermalern seiner Zeit, und die Nähe des Ausschnitts zeigt, wie genau er das Tier studiert hat. Renard, der Name aus der mittelalterlichen Fabeltradition, gibt dem Bild seinen Titel - hier ist der listige Fuchs allerdings kein Erzähler, sondern ein wortloses Gegenüber, das beobachtet.
Dieser Kopf sitzt auf dem Aquarellkarton Dürer, und genau am Fell lohnt das Näherrücken: Die Körnung des Kartons trägt die Fellstriche und gibt ihnen eine leichte Rauheit, sodass die goldenen Spitzen auf der Stirn nicht glatt aufliegen, sondern wie mit trockenem Pinsel über eine strukturierte Fläche gezogen wirken. Auch der dunkle Grund bleibt kein toter Fleck - im Braun zeichnet sich ein wolkiges Muster ab, das der Karton mitbringt und das die Tiefe des Hintergrunds eher vergrößert als stört. Kein Glas liegt davor, das matte Oberfläche steht offen im Rahmen. Ich hätte einem 20 x 25 cm kleinen Blatt einen so kräftigen Rahmen nicht zugetraut, aber Lana mit seinen 37 mm behandelt das Motiv wie ein Gemälde, und das Blatt hält dem stand: außen eine Leiste aus braun lasiertem Holz, in der die Poren als dunkle Striche sichtbar bleiben, dann ein gekehlter Abschnitt in Schwarz und innen eine schmale Goldkante, die direkt an den Karton stößt. Das Braun des Holzes liegt nur wenige Nuancen neben dem Fuchsfell, das Schwarz wiederholt den Grund, und die Goldkante hat denselben Ton wie die Lichtspitzen auf Stirn und Ohren.
Von der Seite betrachtet, zeigt sich die gestufte Tiefe der Leiste, und die Goldkante wirft einen hellen Strich auf den Rand des dunklen Kartons, dort, wo der Grund am schwärzesten ist. An dieser Stelle bleibe ich hängen: Der Fuchs sitzt tatsächlich im Dunkeln, und der Rahmen macht daraus keinen Ausschnitt, sondern eine Höhle.