Rund im Quadrat: Schadow legt das Bildnis in ein Tondo und füllt die vier Zwickel mit gemalten Akanthusreliefs, als wäre das Porträt bereits in Stein gefasst. Im Zentrum sitzt Wilhelmine Luise, Prinzessin von Preußen, vor einem grau schimmernden Damastgrund - das dunkle Haar in Schneckenlocken frisiert, auf der Stirn ein schmales Perlenjuwel, um den Hals eine einreihige Perlenkette. Eine Hand hält den pelzbesetzten Umhang zusammen, der über das fliederfarbene Seidenkleid fällt; der Blick geht ruhig, beinahe prüfend am Betrachter vorbei. Schadow, Sohn des Bildhauers Johann Gottfried Schadow und ab 1826 Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie, malt das Bildnis 1840 mit jener glatten, porzellanhaften Sorgfalt, die die Düsseldorfer Porträtkunst dieser Jahre prägt. Nichts an dem Bild drängt sich auf - es ruht in sich, getragen von den gedämpften Tönen aus Grau, Violett und Braun, und gerade diese Zurückhaltung verleiht der jungen Frau ihre stille Autorität.
Beim Aufhängen zeigt sich, wie genau die Farben ineinandergreifen: Das Grün des Rahmens Lydia, von goldener Maserung durchzogen, steht zunächst wie ein eigener Klang neben dem Bild - bis man das dunkle Grün des samtenen Umhangs entdeckt, der unter dem Pelz hervorschaut, und die beiden plötzlich zusammengehören. Dazwischen vermittelt das Fillet Andrea mit seinem feinen Perlstab, dessen Gold in die gemalten Reliefzwickel überläuft, sodass gemalte und echte Zierform kaum noch auseinanderzuhalten sind. In der unteren Rahmenecke wird die Schichtung am deutlichsten: außen gesprenkeltes Gold, dann die breite grüne Kehle mit ihren kupferfarbenen Durchbrüchen, innen wieder Gold - eine Abfolge, die das quadratische Format von 48 x 48 cm förmlich zum Bildfeld hin verdichtet. Ganz nah betrachtet trägt die satinierte Leinwand Leonardo die weichen Übergänge des Gesichts ohne Härte; selbst die winzigen Lichtpunkte in den braunen Augen sitzen exakt dort, wo Schadow sie gesetzt hat.
Selten fügt sich eine Rahmenwahl so folgerichtig: Das Grün-Gold von Lydia setzt das Farbspiel aus Samt, Pelz und gemaltem Relief einfach nach außen fort, und das Porträt wirkt dadurch weniger gerahmt als weitergebaut - ein Übergang, der dem höfischen Ernst des Bildnisses spürbar guttut.