Eine Frau hängt im kahlen Baum, als hätte er sie eingefangen. Ihr Körper geht in die Äste über, das Haar verweht ins Geäst, während ein Säugling nach ihrer Brust greift. Ringsum nichts als Schnee, eine flache Ebene bis zum Horizont, dahinter ein Gebirgskamm im violetten Dunst. Der Himmel steht in blassem Rosa und Gelb, links krümmt sich weiteres Gestrüpp aus dem Weiß. Segantini malt „Die schlechten Mütter" 1894 nach einer Sage über Frauen, die ihre Mutterschaft verweigerten und dafür in einer eisigen Zwischenwelt büßen. Genau dieser Gegensatz trägt das Bild: eine fast stille Winterlandschaft und darin ein Motiv von großer Härte. Spannend ist vor allem die Verbindung von Körper und Baum, fast wie ein Gefängnis, während das Kind wie Anklage und Erlösung zugleich wirkt. Das Werk gilt als Hauptwerk des europäischen Symbolismus, das Original hängt im Belvedere in Wien. Segantinis Strichtechnik legt die Farben in feinen parallelen Fäden nebeneinander, dadurch flirrt selbst der Schnee - man bleibt beim Schauen immer wieder an einzelnen Linien hängen.
Diese Anfertigung kommt im Format 68 x 35 cm und hängt rahmenlos an der Wand, was dem Motiv gut steht. Die blassen Rosa- und Fliedertöne laufen über die gespiegelten Kanten weiter und lösen sich fast in der weißen Wand auf - die Schneelandschaft findet dort ihre eigene Fortsetzung. Die satinierte Leonardo-Leinwand schimmert leicht, mehr braucht es hier nicht. Auffällig ist, wie sauber die Reproduktion Segantinis Fadenstriche hält: Im Gebirgszug bleiben die violetten und ockerfarbenen Linien einzeln lesbar, auch das wehende Haar der Frau zerfällt nicht zu Fläche. An dieser Linienschärfe hängt bei diesem Maler alles, und sie ist hier da. Auf der Rückseite sitzt ein Sägezahnaufhänger.