Zwischen dunklen Hütten und hellen Wegen staffelt sich das Dorf bis zum fernen Wasser. Überall geschieht etwas. Menschen klettern auf Dächer. Einer beugt sich aus einem Fenster. Andere schleppen, streiten oder verschwinden halb in den Gebäuden. Jede kleine Handlung übersetzt ein Sprichwort in sichtbare Komik, und nebenbei geht es um menschliche Eigenheiten und Torheiten. Das Bild urteilt nicht laut, es beobachtet trocken. Ocker, Braun und gedämpftes Grün bestimmen die Szene, rote und weiße Gewänder setzen kleine Signale im Gewimmel. Das Licht verteilt sich gleichmäßig und lässt kaum eine ruhige Stelle übrig. Pieter Brueghel der Jüngere steht mit solchen dicht bevölkerten Darstellungen in der Bildtradition seines Vaters Pieter Bruegel des Älteren. Erstaunlich, wie lesbar die Figurenwelt bei 65 × 47 Zentimetern bleibt - und trotzdem ist sie nicht mit einem Blick erledigt. Ständig rutscht eine weitere Begebenheit aus dem Hintergrund nach vorn.
Um diese Fülle zieht Annelie einen breiten Rahmen aus tiefem Blau und Gold. Bei einem historischen Motiv überrascht das erst einmal. Ein gewöhnlicher Goldrahmen hätte die erdigen Farben wohl nur bestätigt, hier entsteht mehr Reibung: Das Blau steht kühl neben den braunen Dächern und den schwarzen Kleidern. Goldene Maserungen durchziehen die 66 Millimeter breite Leiste und finden in den ockergelben Mauern und Feldern ihre Entsprechung. Innen zieht eine Goldkante eine klare Grenze, außen folgt noch einmal ein schmaler Goldsaum, dazwischen wirkt das Blau stellenweise fast schwarz. Die Leinwand Leonardo mit satinierter Oberfläche sitzt ohne Glas und Passepartout im Rahmen, seitlich läuft das gespiegelte Motiv um den Keilrahmen. Am rechten Bildrand bleibe ich hängen: Dort kommt das dunkle Blau den verschatteten Hütten so nah, dass kleine Figuren zunächst zwischen Braun und Schwarz verschwinden - und beim nächsten Blick wieder auftauchen. Genau dieses Wiederentdecken hört bei dem Bild nicht auf.